Auf den ersten Blick unterscheiden sich die von Morija unterstützten Regenbogenschulen kaum von anderen ländlichen Schulen in Burkina Faso. Dennoch verfolgen sie einen besonderen Ansatz: Sie schaffen ein Umfeld, in dem Kinder lernen, sich entwickeln und ihre Zukunft gestalten können.
Schulkantine, pädagogischer Schulgarten, geeignete Infrastruktur und Einbindung der Familien – all diese kleinen Bausteine verändern gemeinsam den Alltag der Schülerinnen und Schüler nachhaltig.
Die Ergebnisse sprechen für sich: In diesem Jahr erzielten die Schulen in Yagma und Wendbenedo bei der Abschlussprüfung der Primarschule eine Erfolgsquote von 100 %. Dieser Erfolg hat Baptiste Dignac, Verantwortlicher für Projekte und Partnerschaften bei Morija, während seines Besuchs in Wendbenedo im vergangenen Juni besonders beeindruckt.
«Alle Verantwortlichen der Schule haben mir von der Bedeutung der täglichen Mahlzeit erzählt. Für viele Kinder ist sie schlicht die Voraussetzung dafür, dass sie ihren Schulalltag unter guten Bedingungen bewältigen können.»
Essen, um besser zu lernen
Wenn Kinder von ihrer Schule erzählen, ist die Schulkantine oft das Erste, was sie erwähnen. «Was mir am besten gefällt, ist die Kantine, weil wir dort genug zu essen bekommen», erzählt Abdoul-Fatao, der gerade seine Primarschule abgeschlossen hat. Reis, Bohnen, Couscous … nach der gemeinsamen Mahlzeit bleiben die Kinder in der Schule, um miteinander zu lernen und den Unterrichtsstoff zu wiederholen, bevor der Unterricht weitergeht.
Auch die zehnjährige Olivia schätzt die tägliche Mahlzeit. Doch die Kantine bedeutet weit mehr als eine Mahlzeit: Im Schulgarten bauen die Kinder selbst Salat, Kohl und Auberginen an, die anschliessend die Menüs ergänzen. Sie lernen zu säen, zu giessen, Unkraut zu jäten und zu ernten. Olivia hat sogar zu Hause einen eigenen kleinen Garten angelegt, während Abdoul-Fatao inzwischen gemeinsam mit seiner Familie Zwiebeln anbaut.
Gemeinsam lernen
Für Lehrpersonen und Eltern hat die Kantine noch eine weitere, weniger sichtbare, aber ebenso wertvolle Wirkung: Sie stärkt das Gemeinschaftsgefühl. «Wenn jedes Kind zu Hause essen würde, hätten einige eine Mahlzeit, andere vielleicht nicht», erklärt Boureima Sana, ehemaliger Präsident der Elternvereinigung von Yarcé. «Beim gemeinsamen Essen lernen die Kinder, was Solidarität bedeutet. Danach lernen sie in Gruppen und wiederholen den Stoff oft auch am Abend gemeinsam.»
In Malenga-Yarcé hat diese Dynamik das Ansehen der Schule nachhaltig verändert. Direktor Hamidou Mogmenga erhält jedes Jahr mehr Anmeldungen, als Plätze vorhanden sind. Für ihre hervorragenden Ergebnisse wurde die Schule sogar von den Bildungsbehörden offiziell ausgezeichnet.
Eine Schule, die für alle sorgt
Die Regenbogenschulen setzen sich auch für eine würdige und sichere Lernumgebung ein. Für Frau Ilboudo, Lehrerin in Guéré D, hat der Bau von Latrinen ihren Alltag grundlegend verändert. Früher musste sie sich im Busch einen geschützten Ort suchen oder nach Hause zurückkehren – was für sie als Frau besonders belastend war. «Heute kann ich mich ganz auf meine Arbeit konzentrieren, ohne diese ständige Sorge.»
Diese einfache Einrichtung verbessert zugleich Sicherheit, Hygiene und Würde von Kindern und Lehrpersonen.
Wachsen, um die Zukunft zu gestalten
Die Regenbogenschulen vermitteln nicht nur Wissen. Sie fördern Fähigkeiten, stärken das Selbstvertrauen und eröffnen Zukunftsperspektiven. Abdoul-Fatao möchte Arzt werden, «um Menschen zu behandeln und Leben zu retten». Olivia träumt davon, Lehrerin zu werden, «um Kindern etwas beizubringen, damit später einmal etwas aus ihnen wird». Solche Träume entstehen in einem Umfeld, in dem jedes Detail zählt: eine gemeinsam eingenommene Mahlzeit, ein gepflegter Schulgarten, geeignete sanitäre Anlagen, engagierte Lehrpersonen und Familien, die sich einbringen.
Darin liegt die besondere Stärke der Regenbogenschulen. Was sie den Kindern mitgeben, reicht weit über Wissen hinaus. Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Kinder ihre Talente entfalten, Vertrauen in ihre Zukunft gewinnen und ihren eigenen Weg gehen können.
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