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Kindergeschichten
ERNTE UND KORN
«Die vergessene Garbe soll dem Waisen zufallen.»
5. Moses. 24 : 19
Wenn ich in der Erntezeit den im Wind wiegenden Weizen sehe, scheint es mir, als hätte ich einen wertvolleren Schatz als Gold vor mir : ich bin sicher, dass die Getreidelager vollgefüllt sein werden. Doch haben andere Menschen nur einen dürren, ausgetrockneten Boden von Augen, wo jeder Schritt Staubwolken aufwölbt. Sie haben nicht unser Glück.
Jedoch haben auch sie ihre Hoffnungen in diese Erde gesetzt und haben schwer unter diesem Himmel gearbeitet: aber die Sonne hat das Wasser getrunken und die Saat ist nicht aufgegangen! Ihre Kinder werden sich nicht satt essen können und manchmal werden sie zu Waisen.
Erfüllt mir ihrer Nächstenliebe haben sich Männer und Frauen aufgemacht, um zu helfen, diese Kinder aufzunehmen und ihnen Wärme, Zuneigung, Nahrung, und Pflege zu geben. Seit langen Jahren sind unsere Freunde auf ihren Posten an der Wüstengrenze, um die Mittellosen aufzunehmen und zu unterstützen. Und diese Hilfe können sie dank Ihnen erteilen, denn Sie haben des öfteren eine Garbe in Ihrem Weizenfeld zugunsten, denn Sie können des öfteren eine Garbe in Ihrem Weizenfeld zurücklassen, welche uns die Möglichkeit verschafft, uns für Waisen zu engagieren.
Diese kleine Sammlung von Geschichten hat kein anderes Ziel als Sie einige Gesichter von Kindern, die sich hinter der Etikette «Dritte Welt» befinden, entdecken zu lassen. Sie soll Ihnen durch ein Lächeln zurückgeben, was Sie den Kinden zugute getan haben.
Hilfswerk MORIJA
ADAMA
Hallo, ich bin Adama. Ich bin ein kleines 1jähriges Bündel und seit meinen ersten Tagen logiere ich im Säuglingsheim des Waisenzentrums von Kaya, weil meine Mama kurz nach meiner Geburt gestorben ist. Weil ich sehr neugierig bin, schaue ich mir alles genau an, was rund um mich geschieht. Fast immer wenn meine Freunde dodo machen, ziehe ich mich in meinem Bettchen hoch und schaue über den Rand hinaus. Manchmal lasse ich mich aufs Po fallen, was immer so lustig ist. Gleich neben mir hab ich ein Nachbar, ein anderes Baby, namens Josias. Mit ihm kann ich sehr gut plaudern weil wir etwas gleich alt sind. Was ich am liebsten habe ist, wenn man mich holen kommt und auf den Armen herumträgt. Ich liebe es, mich geborgen zu fühlen und umarmt zu werden. Dann gibts jeweils auch ein Spielzeug, das ich ganz gut in meinen Händchen halten kann und sofort mit dem Mund austeste. Manchmal nimmt die grosse Person mir das Spielzeug weg, lässt es verschwinden; kein Problem, ich schaue dann schon genau, wohin es wandert... und aber dann finde ich es doch nicht lustig, fange fast an zu weinen, und schnell schnell erhalte ich mein Spielzeug wieder zurück. Ich glaube, ein kleines Mädchen zu sein, das schnell einmal lacht. Ich habe tolle Bäckchen und drei Zähnchen, welche viele Herzen gewonnen haben...
«...wenn ihr den Hungrigen zu essen gebt und euch den Notleidenden zuwendet, dann wir eure Dunkelheit hell werden, rings um euch her wird das Licht strahlen wie am Mittag.» Jesaia 58,10
SIBIDOU
Nun ists schon einen Monat her, seit Sibidou mit ihrem Papa ihr Geburtsdorf entdecken gegangen ist. Sie fuhren mit dem Fahrrad, dem meistgebrauchten Fortbewegungsmittel in Afrika. Ihr Papa trug eine lange Tunika über weiten, von einem Ledergurt gehaltenen Hosen, auf dem Kopf ein spitzigen Hut. Er hatte, weise genug, das Ende des Nachmittags abgewartet, wo die Sonne sich etwas zurückzog, und so machten sie sich auf die holprige Piste in dieses Dorf.
Was für ein Empfang man ihnen bereitete! Denn die meisten Dorfbewohner glaubten nicht an Sibidous Rückkehr. Nach einer so langen Abwesenheit dachten sie, dass die Kleine wohl gestorben sei, genau wie ihre Mutter, bei einem Unfall kurz nach der Geburt.
Wie diese vier Wochen des Besuches im Heimatdorf doch schnell vorbeigingen! Sie waren ausgefüllt mit Neuigkeiten, mit Entdeckungen, Oh! Alles war einfach spannend! Dann hiess es aber, wieder Abschied zu nehmen und sich wieder bei den Freunden in Kaya einzufinden.
Zuerst war die Integration zurück im Waisenheim nicht so einfach, dann begann sie, ihre alten Gewohnheiten wieder aufzunehmen wie immer.
Allgemein ist gut zu sehen, dass sie den ersten Schritt, den Besuch in ihrem eigenen Dorf, gut hinter sich brachte. Ihre Rückkehr im Busch war positiv, vielleicht wird also bald jemand aus ihrer Familie sie endgültig abholen, was ihr ermöglichen würde, in ihrem eigenen Milieu und den eigenen Riten aufzuwachsen.
Wer dem Armen gibt, wird selber genug haben.
Proverbes 16 :6
WANOGO
Ich bin Wanogo, sechs Jahr alt. Mein Zwillingsbruder heisst Rabilla, wir sind zwei fröhliche Jungs, wir lachen über alles und nichts.
Weil ich ein Mädchen bin, mache ich kleine Arbeiten wie Zimmer wischen, auf die Kleinen acht geben oder Babies futtern. Ansonsten mache ich Sachen, die mir Spass machen, renne herum, spiele oder klettere auf einen Esel.
Nach dem Mittagessen machen wir eine Siesta weil die Sonne so stark scheint zwischen zwölf und drei.
Danach trinken wir ein Glas Wasser und gehen spazieren. Da beobachte ich, sperre die Ohren auf, gehe voraus um so viel wie möglich Neues zu entdecken. Was ich ganz besonders mag, ist, mit meiner Freundin Suzanne um die Wette zu laufen. Oft begegnen wir Zukerbrötchen-verkäufern, die sehr freundlich sind und und auch etwas abgeben, und zwar nicht nur für uns zwei, sondern auch für all die anderen Kinder und es ist jedes Mal ein Fest, nur solche Süssigkeiten zu essen.
«Aber uns, Herr, wirst du Frieden schaffen, denn dir verdanken wir alles, was wir erreicht haben.» Jesaja 26,12
PEGWENDE
Ich bin am 14. Juli 1981 geboren und lasse mich gerne gehen. Zum Beispiel wollten sie mir das Gehen beibringen, das interessiert mich aber überhaupt nicht. Wenn sie es versuchen wollen, ziehe ich meine Beine schnell an und weil ich eher fest gebaut bin, lassen sie dann schnell von mir ab. Ich glaube, ich bin eine Entmutigung für sie, weil ich nicht die geringste Anstrengung unternehme und wenn ich auf dem Rücken liege, schaue ich einfach meine kleinen Finger an, bewege ich sie, und wenn ich auf dem Bauch liege, was meine liebste Stellung ist weil ich da eher sehe, was so läuft, dann nehme ich einen Finger in meinen Mund und mit meiner anderen Hand klopfe ich auf die Matratze. Mein Nachbar heisst Bourem, es ist ein etwas nervöser Junge, manchmal geben wir uns die Hand oder wenn wir nicht so friedlich sind, drehen wir einander den Rücken zu oder bewerfen uns mit Spielsachen. Ich hab da aber nicht so grosse Chancen, weil er stärker ist, also muss ich halt schlauer sein.
Am Morgen, nach dem Waschen, kommt die Stunde der Krankenschwester mit ihrer Kiste voller Medikamente. Wir Babies empfangen sie dann immer mit liebevollem Dada, dadada...
Sie kommt zu uns, umarmt uns, dann gibt sie uns Sirup, das hab ich besonders gern, auch wenn ich beim einen immer husten muss.
«Halleluja! Lobt den Herrn; es ist gut, unserem Gott Loblieder zu singen.» Psalm 147,1
FATIMATA
Ich bin die Kleinste, hab ein wenig Mandelaugen, wenig Haare aber dafür fest gewellte, hab einige wunderschöne klein Zähne und ich lächle gerne. Ich liebe es, wenn man mich in die Arme nimmt. Manchmal gehe ich mit den Grösseren spazieren, ich kann natürlich noch nicht gehen, weswegen ich mit einem Tragetuch an einem älteren Mädchen angemacht, meine zwei Arme und Beine schauen so heraus, dass, wenn jemand näher kommt, ich versuche, diese Person zu berühren oder ihr Sachen wegzunehmen und fallen zu lassen, was meine Umgebung eigentlich nicht so freut, sie aber doch letztlich lachen lässt.
Um die Mittagszeit trinke ich mein Fläschchen alleine, liegend. Wenn es fertig ist, werde ich versuchen, das von Pegwende zu nehmen, der trotz seiner Nonchalance das nicht zulässt, und wenn ich es doch schaffe, fängt sie gleich an zu weinen bis jemand kommt und sie verteidigt, was alle meine Anstrengungen zunichte macht und um mich zu bestrafen, muss ich ins Bett. Als Baby hat man echt kein kein einfaches Leben!
«Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! ich werde euch Frieden geben!» Matthäus 11,28
BOUREM
Auch ich hab meine Mama verloren, darum bin ich hier im Waisenkinderheim. Ich bin mit sechs Fingern an jeder Hand geboren, und weil scheinbar fünf genügen, hat man mir zwei wieder abgenommen. Ich war einfach zu klein und niemand hat mich nach meiner Meinung gefragt. Manchmal überleg ich mir, wäre ich wohl weiter gekommen und wäre geschickter gewesen mit 12 Fingern, zum Beispiel zum essen oder ein Spielzeug wegnehmen von meinen Freunden. Etwas nervt mich, nämlich, dass ich schlecht sehe und das, was ich will, ganz nah vor die Augen nehmen muss um wirklich zu sehen, was es ist. Aber andererseits bin ich der Beste im laut Schreien, so gut, dass man manchmal sauer ist auf mich. Und dann ist es mein grosses Vergnügen, eine Ecke meiner Schaummatratze so fest zu ziehen, bis ich ein Stückchen in Händen halte, das ich dann auch gleich in den Mund stopfe. Oh, das bleibt leider nicht lange drin, weil ein grosser Finger das sofort aus meinem Mund rausholt, was ich mit grosser Mühe in mich reinsteckte. Ach, das Leben ist einfach nicht sehr rosig!
«Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben haben.» Johannes 3,16
JOSIAS
Eines schönen und heissen Tages geht der junge Pastor von Boussaema in ein nahes Dorf im Busch, als er plötzlich aus einem tragbaren Wassertank Babyschreie hört. Er kommt näher und sieht zuunterst in diesem Behälter ein Säugling, nur wenige Tage alt! So kam Josias ins Waisenkinderheim. Jetzt ist er schon das zweite Jahr dort, geht noch nicht alleine, sondern stützt sich an dem, was grad in seiner Nähe ist. Er ist sehr labil, es reicht, ihn etwas laut und bestimmt anzusprechen, und schon heult er, so fest braucht er das Gefühl von Geborgenheit!
Wenn seine Freunde ihm zu Nahe treten, macht er einen sehr traurigen Ausdruck und in seinen Augen kommen kleine Tränen hervor. In letzter Zeit gewinnt er aber etwas mehr an Vertrauen und akzeptiert es, im Sandkasten zu spielen, neben Liliane und Dominique, 5 Jahre alt. Und zu seinem Glück wir Josias adoptiert, so wird er in ein normales Arfikanisches Leben integriert, dort wird er eine Mama finden, eine Familie, die besser als alle anderen im helfen kann, sich zu entwickeln.
«Ach, hättet ihr doch meine Gebote befolgt! Dann wäre euer Friede wie ein Strom, der nie versiegt.» Jesaja 48,18
YOUSSEF
Ein sechsjähriger Junge, mit rundem Gesicht, schwarzen Haaren, einem schönen kleinen Bauch Youssef. Er ist immer der erste am Esstisch, setzt sich immer vor denjenigen Teller, der am meisten drauf hat. Und trotzdem reklamiert er immer, sagt, es habe nicht genug. Dann ist er schnell und mit Appetit, hält seinen Teller für eine zweite Portion hin, welche auch schnell runtergeschluckt ist, und trotzdem macht er den Fräuleins schöne Augen, weil ja vielleicht noch etwas übrig bleibt. Er mag halt To oder Sayabo am liebsten, ein Afrikanisches Gericht aus gestampter Hirse mit verschiedenen Saucen. Ham! Einfach himmlisch!
Daneben verbringt er seinen Tag im grossen Hof des Waisenkinderheims, wo er gerne akrobatische Stückchen übt auf Holzkonstruktionen oder wo er auf einer Art Holzschlitten runterflitzt. Wenn einer seiner Freunde ihm etwas anwirft, um ihn zu ärgern, ist sein erster Reflex, in Tränen auszubrechen. Dann wird er zornig und mit etwas Verspätung macht er sich auf die Verfolgung seines Kameraden in der Hoffnung, wieder Gerechtigkeit herstellen zu können.
«Durch die Furcht des Herrn kommt man vom Bösen fort.» Sprüche 16,6
POKO
Wenn Sie die Zeitschrift Morija kennen, wissen Sie, wer ich bin. Für die, welche das nicht wissen, stelle ich mich vor: Ich habe meinen ersten Geburtstag im März 1981 gefeiert. Ich war 8 Monate alt, als ich krank wurde, nicht einfach eine kleine Grippe, nein, eine Meningitis mit sehr hohem Fieber. Ich musste sogar Injektionen gesteckt erhalten. Ich wurde ganz schwach und musste über eine Sonde ernährt werden. Vorher war ich das schwerste Baby, jetzt bin ich ganz mager. Ich bin eineinhalb Jahre last und kann noch immer nicht alleine sitzen. Wer mich füttert, braucht Geduld, ich schlucke langsam und wenn es zu nervös zu und her geht um mich herum, passt mir das nicht, ich hab dann schnell mal Angst, dass diese vergangenen Leiden wieder über mich kommen würden, mein Gesicht wird dann traurig und ich will getröstet werden, geliebt und einfach verstanden. Jeden Tag mache ich Übungen die sehr anstrengend und manchmal auch schmerzhaft sind, aber dank diesen Übungen mache ich kleine Fortschritte.
Wissen Sie, ich würde gerne wieder lächeln, nur fühle ich mich so klein, fragil und unsicher und bleibe ein kleines trauriges Mädchen. Aber meine ganz seltenen Lächeln bringen Tränen in den Augen der Grossen hervor, weil das sie so berührt.
ADAMA
Hallo, ich bin grad mal ein Jahr alt am 30 Juli 1981, ich heisse Adama aber die jungen Mädchen nennen mich Keema. Ich habe eine Zwillingsschwester «Hawa». Unsere Mama war sehr jung, sie ist in den Himmel gegangen als wir auf die Welt kamen. Für mich was das alles nicht einfach, weil ich während vier Monaten Probleme hatte mit der Verdauung der Milch, dann hat Florence eine Milch gefunde, die meinem Körper zusagte. Seit dann bin ich von einem kleinen Mädchen zu einem Superschwergewicht geworden. Ich bin gut behütet, weil ein junges Mädchen namens Angela sich vorgenommen hat, mich zu hüten, zu tragen, so gut dass jedes mal, wenn man mich ins Bett legen will, ich so laut schreie, dass man mich wieder holt und ich dann lache, weil ich sie wieder mal voll erwischt habe, diese grossen Leute!
Ich muss sicher sagen, dass ich ziemlich rund bin und wenn ich mal hinfalle, kann nicht viel passieren.
Ich habe meinen ersten Zahn kürzlich erhalten und bin stolz, weil momentan auch der Vergleich mit den kleinen Babies läuft, wer am meisten Zähne hat ... Geheimnis!
«Du bist zum Herrn, dem Gott Israels, gekommen, um bei ihm Schutz und Zuflucht zu finden. Möge er alle deine Taten reich belohnen!»
Ruth 2,12
ISAAC
Sein Ursprung ist aus der Volksgruppe «Peul», deren Vorfahren aus dem Norden Afrikas kommen und aus dem Osten. Diese Völker haben eine eher helle Hautfarbe. Der Papa von Isaac ist ein Wanderhirte, der Herden hütet und sie während des ganzen Jahres führt.
Wenn Isaac in Kaya bleibt, kann er zur Schule gehen. Natürlich zeigt er selber nicht viel Begeisterung für Buchstaben und Zahlen, seine Gedanken gehen zum Nomadenleben und während des ganzen Jahres freut er sich auf die langen Ferien, wo er während zwei Monaten zu seinem Clan kommt. Er ist aber nicht unglücklich hier, weil er alle kennt, er ist einer der grössten und verschafft sich ohne Probleme den Respekt der kleineren. Er geht liebevoll mit den Babies um, er nimmt sie gerne auf die Arme, gibt ihnen gerne zu essen. Er ist alles andere als ein Egoist, weil sobald er mal (sehr selten...) ein paar Süssigkeiten zuviel hat, teilt er sie. Er ist ein stolzer Junge, wie alle aus seiner Volksgruppe, und es war Isaac, der einmal, in einer Diskussion mit einer europäischen Person, sagte: Du und ich, wir sind von der Rasse der Herrschenden!
«Gott ist uns Schutz und Rückhalt, ein sicherer Hort der immer bleibt.» Psalm 46,2
HAWA
Also, ich bin die Schwester von Adama und ich bin im Waisenkinderheim seit meine Mama gestorben ist. Ich mag meine Schwester sehr, aber einmal fand ich, dass die Betreuerinnen nur Augen für sie haben. Ich weiss schon, dass ich noch ein Baby bin, aber jedes Baby hat seine eigene Sprache und macht sich so seine Gedanken, und ich, bemerkend, dass man mich nicht sehr viel umarmt und so, hatte eine traurige Zeit hinter mir. Aber die Krankenschwester sah das und hat mich ab diesem Zeitpunkt am morgen immer in ihre Arme genommen. Seit dann lächle ich wieder, und weil ich zwei Zähnchen habe, bringe ich durch meine Grimassen und Lächeln viel Fröhlichkeit und ich plaudere, erzähle ihr Geschichten, und sie singt mir schöne Lieder vor. So gut, dass jetzt, wo ich grösser werde, von den jungen Mädchen begleitet werde, was mich glücklich macht, und jetzt kann ich auch alleine sitzen. Ich trinke mein Milch gut, esse alles, was man mir vorsetzt um allen zu gefallen und an Kräften zu gewinnen, weil ich jetzt auch im Training zum Gehen bin. Es ist keine kleine Aufgabe, einen Fuss vor den anderen zu setzen, jedenfalls hoffe ich, in meinem nächsten Brief euch aufrecht stehend Hallo sagen zu können. Weil ja heute ich euch noch sitzend grüssen muss.
TEBAMBA
Tebamba, Tebamba, komm hier hier!
Warum ruft man mich jedesmal, wenn ich dran bin, mich in der Küche umzusehen und zu degustieren, was die Mitarbeiterinnen sorgfältig versteckt haben? Klar, ich habe schon gefrühstückt, aber ich bin ein kleiner Gourmand, was mir manchmal Probleme mit den Mitarbeiterinnen verursacht. Na, nur einen kleinen Mund voll, und ich bin weg hier ohlala, ich hab den Mund ja voll, muss schnell schlucken, bevor ich zur Inspektion bei ihnen vorbei muss! Uff, dieses Mal haben sie nichts bemerkt! Sie haben mich nur gerufen, um einen Spaziergang zu machen, so ists mir lieber! Wir gehen also los, singen Lieder, und ich gehe neben Korka weil wir etwa gleich alt sind, und, weil wir die kleinsten sind der Bande, und wenn wir zu weit weg sind vom Waisenkinderheim, tragen sie uns zurück.
Also, auf Wiedersehen und bis bald!
Nothilfe für die Waisen des Sahel
Der Mann hat soeben seine Frau bei einer Geburt verloren. Er kam zu
uns in Begleitung einer Frau, die das Neugeborene mal aufgenommen hat.
Er bleibt nur für die Formalitäten und um sich zu versichern,
dass die Frau und das Kind wirklich gut aufgenommen würden. Die
Frau bleibt im Zentrum, bis sie gelernt hat, wie man Wasser kocht, wäscht,
putzt, dosiert und die Trinkflasche gibt.
Der Säugling, in ein Stoffstück gewickelt, ist auf einer Matte
hingelegt worden, seine Haut ist noch rosa und wird in den nächsten
Stunden dunkler werden. Jetzt wacht er gerade auf, sanft nimmt die Frau
ihn und legt ihm auf die Waage, 2200 Gramm werden angezeigt. So klein,
aber ganz klar zeigt er uns mit einem unmissverständlichen Zeichen,
dass er Hunger hat. Weil es ein Neugeborenes ist, bereiten wir ihm für
ein paar Tage die Trinkflasche vor, unter Beobachtung der Frau, die
dann immer mehr vorbereiten hilft, während wir immer mehr nur zuschauen
und Tipps geben. Dann kommt der Abschied, wir geben ihr Milch für
28 Tage und eine Dose mit einem Wasserfilter aus einem Stück Stoff,
Seife und eine Bürste für das Waschen der Flasche, ein Heft
mit dem Namen des Vaters und des Kindes und auch des Dorfes sowie seines
Gewichts, der Dosierung der Trinkflasche und die Anzahl der Milchpulver-Tüten.
Das macht ein besseres Wachstum des Kleinen möglich und erlaubt
uns, seine Fortschritte zu beobachten während der Zeit, in der
er von uns Milch erhält, also bis er zwei Jahre alt ist.

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